• Joker Lukas Spalvis gleicht für Zweitliga-Schlusslicht 1. FC Kaiserslautern gegen den FC St. Pauli noch zum 1:1 aus.

    Das 0:1 erzielt Aziz Bouhaddouz per Elfmeter. Jan-Ingwer Callsen-Bracker sieht Rot, die Lauterer erkämpfen sich das Remis in Unterzahl.
    Am Ende wurde es ganz, ganz laut. Der „Betze“ bebte noch einmal kräftig: Der kurz zuvor eingewechselte Halil Altintop schaltete am schnellsten, führte einen Freistoß vor dem Strafraum des FC St. Pauli kurz aus, und Joker Lukas Spalvis vollstreckte in der 84. Minute für Fußball-Zweitliga-Schlusslicht 1. FC Kaiserslautern zum 1:1 (0:0)-Endstand. Der in den entscheidenden Szenen gestern erneut prima parierende FCK-Torwart Marius Müller setzte zum Spurt an, um den Ausgleich mit seinen Kollegen zu feiern.

    Zwölf Minuten zuvor war die Stimmung im Lauterer Fritz-Walter-Stadion eine ganz andere gewesen. Jan-Ingwer Callsen-Bracker, der erfahrene Innenverteidiger des FCK, verlor das Laufduell gegen Sami Allagui und zog den enteilenden Hamburger Offensivmann vor dem Sechzehnmeterraum und später auch noch einmal im Strafraum am Trikot. Der Strafstoß war berechtigt, auch wenn das erste Foul bereits vor der entscheidenden Zone begann. Auch die Rote Karte für die Notbremse entsprach den Regeln. Aziz Bouhaddouz verwandelte den fälligen Foulelfmeter sicher zum 1:0 für St. Pauli (73.). Der geradlinige Sportsmann Callsen-Bracker bekannte sich zu seinem Fauxpas: „Ich versuche, den Ball mitzunehmen, er springt mir vom Fuß, mein Gegenspieler ist da, läuft aufs Tor zu, ich versuche, ihn zu stoppen und ziehe ihn.“ Von seinem Trainer gab es keinen Vorwurf in Richtung des 33-Jährigen. „Im normalen Leben macht jeder Mensch Fehler“, sagte Michael Frontzeck.

    In Unterzahl erarbeiteten sich die Lauterer noch einen verdienten Zähler in einer offenen Partie. Es war vor allem ein Punkt für die Moral, für einen größeren Schritt hätte der FCK einen Sieg gebraucht. „Die Mannschaft kann sich als Gewinner fühlen, sie hat enormen Aufwand betrieben, es wäre bitter gewesen, 0:1 zu verlieren“, sagte Frontzeck.

    Wieder einmal jedoch offenbarte der enorm engagierte FCK große Abschlussschwächen: Nils Seufert vergab erst aus aussichtsreicher zentraler Position per Kopf (23.), nach der Pause jagte der junge Mittelfeldspieler den Ball aus 18 Metern weit über das Tor von Robin Himmelmann in die grauen Wolken (56.). Die ganz große Gelegenheit vor der Pause für den FCK hatte Brandon Borrello (31.). Doch der überraschte Australier zögerte nach prima Hereingabe des gestern ganz viel Schwung über links bringenden Leon Guwara zu lange beim Abschluss. Der glücklose Borrello und sein Pendant auf der rechten offensiven Außenbahn, Phillipp Mwene, konnten sich nach flottem Beginn später kaum noch durchsetzen. Auch Osayamen Osawe fehlte es erneut an der letzten Präzision.

    Für St. Pauli hatte Allagui die größte Chance, aber Müller parierte den Kopfball glänzend (21.). Aktivposten Allagui (31) wurde von seinem Trainer Markus Kauczinski für sein Foul und sein Verhalten vor dem Freistoß vor dem 1:1 gescholten („Wie ein 16-Jähriger“). FCK-Torschütze Spalvis meinte: „Jetzt nehmen wir den Punkt mit und schauen nach vorn.“ Auch die FCK-Fans machten sich und den Spielern trotz der wenig aussichtsreichen Lage des Schlusslichts vor den letzten sieben Punktpartien nach dem Spiel Mut; es wurde wieder laut: „Lautrer geben niemals auf, sie kämpfen!“



    1. FC Kaiserslautern: Müller - Kessel, Callsen-Bracker, Vucur, Guwara - Mwene (78. Jenssen), Moritz, Seufert, Borrello (65. Spalvis) - Andersson (78. Altintop), Osawe

    FC St. Pauli: Himmelmann - Park, Avevor, Ziereis, Buballa - Nehrig, Flum (75. Dudziak) - Sahin, Allagui, Neudecker (46. Möller Daehli) - Diamantakos (46. Bouhaddouz)

    Tore: 0:1 Bouhaddouz (73., Foulelfmeter), 1:1 Spalvis (84.)

    Gelbe Karten: Sahin (3), Park (2), Allagui (3)

    Rote Karte: Callsen-Bracker (71.)

    Beste Spieler: Müller, Guwara - Himmelmann, Buballa

    Zuschauer: 32.243

    Schiedsrichter: Willenborg (Osnabrück)

    -------

    Strohhalme

    Für die Moral des FCK war der Punkt gegen St. Pauli wertvoll, für das große Ziel aber wohl zu wenig.

    Aufgeben ist keine Option. Das kriegt jeder Sportler schon als Kind eingetrichtert. Das Fußball-Zweitliga-Schlusslicht 1. FC Kaiserslautern erfüllt diesen Satz mit Leben. Das hat auch die Partie gestern vor beachtlichen 32.243 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion gezeigt. Es ist längst klar, dass dem FCK allein Siege helfen können, das Fußballwunder Klassenverbleib noch zu schaffen. Der 0:1-Rückstand nach dem Foul und der Roten Karte von FCK-Innenverteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker, dem so routinierten Winterzugang, war ein weiterer Nackenschlag in einer an solchen Hieben reichen Saison für die Lauterer. Die Roten Teufel aber wollen sich ganz und gar nicht mit dem drohenden Abstieg aus der Zweiten Liga abfinden: Sie glichen aus – dank Halil Altintops blitzschnellem Handeln beim Freistoß vor dem 1:1, Lukas Spalvis traf. Elf Punkte standen nach 17 Hinrundenspielen für den FCK zu Buche, der Abstieg schien nur noch Formsache. Mit ganz viel Laufarbeit, Ex-Trainer Jeff Strasser hat die Jungs in der Winterpause richtig fit gemacht, und enormem Willen stemmt sich die Mannschaft gegen das kaum Abwendbare. Aus zehn Rückrundenpartien haben die Roten Teufel 14 Zähler geholt, 13 davon in den acht Spielen unter Michael Frontzeck, der seit 1. Februar amtiert. Das macht Frontzeck Mut und lässt ihn über die nun folgende Länderspielpause hinaus nach vorne blicken auf das nächste Spiel – am 31. März geht es nach Duisburg. „Nur das zählt“, sagt Frontzeck, der Pragmatiker.

    Bitter für die Lauterer ist, dass auch die Konkurrenten im Abstiegskampf in dieser so ausgeglichenen Zweiten Liga seit Wochen fleißig punkten. Gestern etwa hat Bochum in Sandhausen nach 0:2 durch drei Tore von Lukas Hinterseer, Neffe des Schlagersängers Hansi Hinterseer, noch 3:2 gewonnen. Der VfL hat jetzt plötzlich neun Punkte mehr als Lautern. Morgen empfängt Aue im Kellerduell Fürth. Bei einem Sieg der Sachsen hätte der FCK heftige acht Punkte Rückstand auf Relegationsrang 16 – bei noch sieben Spielen. Dann würden die Strohhalme, an die sich die Lauterer klammern, immer dünner. Dennoch betont Frontzeck: „Es ist noch nicht vorbei.“
    Quellen
      • Rheinpfalz am Sonntag

Kommentare 10