• Sandhausens Defensivkünstler entführen mit dem 1:0 beim 1. FC Kaiserslautern alle drei Punkte. So wächst der Druck auf den Zweitliga-Letzten vor den wichtigen Spielen in Darmstadt und Aue. SVS-Kapitän Linsmayer reist als FCK-Fan nach Darmstadt.
    ​ Es war die spielentscheidende Szene am Freitag im Fritz-Walter-Stadion: Marcel Correia, der im Mittelfeld des 1. FC Kaiserslautern den gelbgesperrten Christoph Moritz vertreten hat, rutschte auf dem glitschigen Rasen aus. Philipp Förster vom SV Sandhausen nutzte die Gunst der Stunde, lief dem strauchelnden Lauterer davon und trat ihm auf der Jagd nach dem Ball auf den Arm – wohl unabsichtlich und im Eifer des Gefechts. Sekunden später schoss Förster den Ball im Fallen ins Tor des FCK (78.). Der erste Zweitliga-Treffer Försters, der den Ball vom Lauterer Innenverteidiger Stipe Vucur unfreiwillig zugespitzelt bekam, bedeutete den 1:0 (0:0)-Endstand für die Gäste in der von Taktik und Kampf geprägten Fußball-Zweitliga-Partie.

    „Das war der Lucky Punch in einem für die Zweite Liga typischen Abnutzungskampf“, kommentierte FCK-Sportdirektor Boris Notzon die Szene. Der entscheidende „Schlag“ war seiner kuriosen Entstehungsgeschichte wegen in der Tat glücklich für den SVS und unglücklich für den FCK und Pechvogel Correia. Schon wieder hat der 28-Jährige, der bisher nur bei knapp einem Drittel der Spiele in dieser Saison mitwirken konnte, eine Verletzung erlitten. Immerhin konnte für den gebürtigen Lauterer nach genaueren Untersuchungen gestern Entwarnung gegeben werden – der Arm ist nicht gebrochen. Diagnose: schwere Prellung des linken Unterarms. Correias Einsatz in der Nachholpartie am Mittwoch (18.30 Uhr) bei Darmstadt 98, einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, ist fraglich, aber nicht unmöglich.

    Die ebenfalls abstiegsgefährdeten Fürther haben gestern mit dem 1:1 bei Aufstiegsanwärter Fortuna Düsseldorf einen Punkt geholt und besitzen als Drittletzter sechs Zähler Vorsprung auf den FCK. Dazwischen liegt auf Rang 17 Darmstadt, das vier Zähler mehr hat als Kaiserslautern. „In Darmstadt – das wird ein ganz anderes Spiel als gegen Sandhausen“, prophezeite Sportdirektor Notzon, „die müssen gewinnen, die werden uns zwangsläufig mehr Räume geben, als Sandhausen das getan hat.“

    Sandhausen, bekannt für seine starke Defensive, war auf dem „Betze“ lange fast nur auf Zerstörung aus, machte mit einer Fünferabwehrkette die Schotten dicht. So entwickelte sich ein ganz anderes Spiel als beim offenen Schlagabtausch des FCK eine Woche zuvor mit Holstein Kiel; da waren die Lauterer mit einem überragenden Angreifer Osayamen Osawe 3:1-Sieger. „Das Spiel habe ich live im Stadion gesehen“, sagte Denis Linsmayer, am Freitag SVS-Kapitän, „die Kieler standen sehr hoch, sie haben Osawe die Räume gegeben, die er braucht. Den Fehler wollten wir nicht machen, haben Markus Karl als zusätzlichen Defensivmann eingebaut.“ Nicht ohne die gewisse Portion Stolz des überraschenden Tabellenvierten in der Stimme betonte Linsmayer: „Wir sind defensiv die stärkste Mannschaft der Liga, das hat man auch jetzt wieder gesehen.“ Mit nur zwei Toren hat der SVS 2018 acht Punkte geholt – das Ergebnis extremer Defensiv-Disziplin und wahrlich ein Kunststück, das die allermeisten Zuschauer indes nicht wirklich begeistert.

    Typisch für so ein Spiel, dass es durch einen Kuller-Hoppel-Treffer entschieden wurde. „Ich hab’ den Ball ganz lange nicht gesehen, es waren zu viele Leute vor mir“, sagte FCK-Torwart Marius Müller. „Der Ball geht gefühlt vier Leuten durch die Beine und kullert ins Tor“, sagte FCK-Offensivspieler Halil Altintop. Zuvor gab es einige wenige Chancen auf beiden Seiten. Altintop: „Eigentlich ein typisches 0:0-Spiel. Sandhausen war ein bisschen glücklicher, dass sie das Tor gemacht haben.“ Für den FCK geht es nun in der englischen Woche gegen zwei Konkurrenten im Abstiegskampf um sehr viel. Erst in Darmstadt und dann am Samstag (13 Uhr) in Aue. Am Mittwoch will auch SVS-Mittelfeldmann Linsmayer, Ex-FCK-Spieler und „lebenslang Fan“, dabei sein – zum Daumendrücken auf der Tribüne.
    Quellen
      • Rheinpfalz am Sonntag

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