• FCK beginnt das Jahr mit der Trennung von Vorstandschef Gries

    Der Vorstandsvorsitzende Thomas Gries (55) geht, Finanzchef Michael Klatt (49) bleibt und soll in den nächsten zwei Monaten einen Vorstandskollegen mit Sportkompetenz bekommen: Fußball-Zweitliga-Schlusslicht 1. FC Kaiserslautern ordnet seine Chefetage neu – das hat sich abgezeichnet
    Wer von beiden dann Vorstandschef wird, Klatt oder der Neue, das entscheidet der Aufsichtsrat, wenn der Name des Gries-Nachfolgers feststeht. Bis dahin übernimmt Klatt kommissarisch den Vorsitz. Jürgen Kind besetzt den laut Satzung erforderlichen zweiten Vorstandsposten vorläufig und ehrenamtlich. Kinds Aufsichtsratsmandat ruht in dieser Zeit.

    „Nach intensiven Gesprächen sind wir übereingekommen, die Zusammenarbeit zu beenden“, sagte Aufsichtsratschef Patrick Banf zur Trennung des FCK und Gries nach 21 Monaten. „Bei der Herangehensweise, den Vorgaben und Zielen des Aufsichtsrates waren wir unterschiedlicher Auffassung“, ließ Banf wissen.

    Der Aufsichtsratschef hatte in der RHEINPFALZ am SONNTAG vom 31. Dezember scharfe Kritik an der Arbeit des Vorstands geübt: „Wo ich auch hingreife, läuft irgendwas schief. Ich sehe nirgends eine Linie und ein Konzept.“ Der Druck vor allem auf Gries, den Marketingfachmann, der nach dem Ende der Ära Stefan Kuntz vor 21 Monaten vom damaligen Aufsichtsrat unter Nikolai Riesenkampff und Mathias Abel den Vorstandsvorsitz übertragen bekam, ist in den vergangenen Wochen immer weiter gewachsen. Die großen Ziele unter Gries’ Führung hat der FCK deutlich verfehlt: In der vergangenen Saison sollte es möglichst Platz sechs sein – es wurde Rang 13. In der laufenden Spielzeit steht der FCK so schlecht da wie nie, der erstmalige Abstieg aus der Zweiten Liga droht, Gries dagegen hatte im Sommer „eine sorgenfreie Saison“ als Ziel ausgegeben. Sechs Monate und viele tiefe Sorgenfalten bei den Fans später liest sich dies mit einem heftigen Kopfschütteln, auch wenn Aufsichtsrat Banf betonte: „Thomas Gries am Sportlichen zu messen, wäre unfair. Das ist nicht seine Kompetenz. Es geht um das Drumherum.“

    Organisatorische und wirtschaftliche Pannen der knapp zweijährigen Amtszeit Gries/Klatt runden das schwache Gesamtbild ab. „Die vor uns liegenden Aufgaben bedingen gerade jetzt ein unbelastetes Führungsteam, dem man das volle und nachhaltige Vertrauen schenkt, die richtigen Weichenstellungen für die Zukunft des FCK zu treffen“, ließ Gries zu seiner Vertragsauflösung wissen: „Dieses Vertrauen habe ich bei dem neu gewählten Aufsichtsrat nicht verspürt und mache daher den Weg frei für eine personelle und strukturelle Erneuerung des Vorstands.“ Sein Vorstandskollege Klatt wollte sich zu der Personalie nicht äußern, „denn alles ist jetzt dem großen Ziel 2018, dem Klassenerhalt, unterzuordnen, der Blick geht nur nach vorne“.

    Das gilt vor allem auch für die Profis, die in den verbleibenden 16 Spielen versuchen wollen, die schwierige Mission Klassenverbleib noch zu meistern. Das für gestern geplante erste Mannschaftstraining 2018 fiel indes ins Wasser – die Plätze waren wegen des starken Regens nicht bespielbar. So stand eine Stabilisations- und Laufeinheit auf dem kurzfristig geänderten Plan.

    Heute unterziehen sich die Profis dem medizinischen Leistungstest. Morgen fliegen die Lauterer mit 24 Feldspielern und vier Torhütern ins Trainingslager an der Costa del Sol bei Marbella. Neuzugänge waren bis gestern noch keine zu verzeichnen, es soll allerdings der eine oder andere Neue mit im Flugzeug nach Spanien sitzen. Sportdirektor Boris Notzon und Trainer Jeff Strasser arbeiten mit Hochdruck daran, den Spielerkader zu verstärken.

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    KOMMENTAR

    Am Abgrund unter Zugzwang

    Nach dem Aus des netten, aber überforderten Vorstandschefs Gries muss der FCK-Aufsichtsrat mitten in der Krise einen Glücksgriff tätigen.

    Als der ehemalige Aufsichtsratschef Nikolai Riesenkampff am 4. April 2016 den Marketingfachmann Thomas Gries als künftigen Vorstandschef präsentierte in Ergänzung zu Finanzchef Michael Klatt, war klar: Zwei Neulinge im Profifußball übernehmen beim dauerkränkelnden 1. FC Kaiserslautern eine Herkulesaufgabe. Sie haben sich gründlich verhoben und alle wichtigen Ziele mit Pauken und Trompeten verfehlt. Ihre erste komplette Saison endete auf Rang 13 statt auf dem gewünschten sechsten Platz. Nach 18 von 34 Spieltagen der Folge-Saison nun ist der FCK mit Abstand Letzter. Der Abstieg ist wahrscheinlicher als der Klassenverbleib. Der Klub steht so schlecht da wie nie zuvor.

    Die Auflösung des Vertrages mit dem Vorstandschef ist konsequent. Das Tischtuch zwischen dem am 3. Dezember neu gewählten Aufsichtsrat und Gries war zerschnitten, und der Vorstandsboss hatte keine Argumente. Der sportliche Niedergang zog den Umsatzrückgang im operativen Geschäft nach sich; nur dank zuletzt außerordentlich hoher Transferüberschüsse ist der FCK finanziell noch handlungsfähig. Ende 2017 wollte Gries einen Investor zumindest ernsthaft in Aussicht haben – auch das hat nicht geklappt.

    Pannen beim Stadionfest 2016, beim Ticketing, der peinliche Rückzieher beim Ärmelsponsor: All das hat zu Gries’ Demontage beigetragen; ebenso wie der Vorwurf einiger ob des weit entfernten Wohnsitzes der Familien Riesenkampff und Gries: „Der Verein wird von Berlin aus regiert.“

    Nach Druck des Aufsichtsrates ist Gries weg. Jetzt muss ein Neuer her, ein fleißiger Fußballkompetenter mit Ausstrahlung – einen weiteren Fehlgriff kann sich der FCK am Abgrund nicht leisten.
    Quellen
      • Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung

Kommentare 9

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    Stöger & Schmadtke. Gab es da keine Äußerungen seitens des Vereins? Und muss hier nicht die Frage erlaubt sein, ob dies zum wiederholten Male nicht an der miserablen Außendarstellung und Kommunikation des FCK liegt, und weniger an Buchholz? Das ist…
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    Zitat von canelon: „Außer dem Banf-Interview - sozusagen zu dessen Antritt als AR-Vorsitzender - gab es doch aber keine negativen Nebengeräusche. Und mal ehrlich, ob jetzt kurz vor Weihnachten, zwischen den Feiertagen oder dann eben doch zu…
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    Zitat von dirtdevil: „was mir aber missfällt,(...) ist die art wie man gries jetzt abserviert.so eine angelegenheit kan man auch ruhiger lösen und mögliche nachfolger von gries,nicht gleich abschrecken.“Außer dem Banf-Interview - sozusagen zu
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    Nö Frankenfck die Geschäftsordnung ist klar , Klatt hat die Verantwortung für die Finanzen, wenn da was schief geht ist er verantwortlich und die Ressortverteilung legt der AR fest
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    Zitat von diabolo666: „Ach das ist doch nur das übliche Vertragsauflösungsblabla. Gries ist gegangen worden, weil Banf keine Linie/Konzept erkennen konnte. Das hat er doch in der Rheinpfalz deutlich erklärt. Klatt ist zuständig für Finanzen. Ich…