• FCK-Torwart Müller macht seinem Ärger nach dem 1:1 gegen Ingolstadt Luft – Kessel: Eine ganz beschissene Situation
    ​ Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel: Das 1:1 gegen den FC Ingolstadt hilft dem 1. FC Kaiserslautern nicht weiter. Längst aufgebraucht scheint das Glück, das die Roten Teufel beim 2:1-Sieg in Dresden Ende November noch besaßen. Der letzte Tabellenplatz in der Zweiten Fußball-Bundesliga ist in Stein gemeißelt.

    Marius Müller riss die Hutschnur. Als Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck seinem Teamkameraden Benjamin Kessel infolge eines Tacklings gegen Dario Lezcano die Gelb-Rote Karte gezeigt hatte, flitzte der Torhüter des 1. FC Kaiserslautern Richtung Tatort, schrie entrüstet, gestikulierte wild. „Ball! Ball! Das war doch nur Ball!“ Es lief die 68. Spielminute, der FCK führte gegen den FC Ingolstadt durch einen Treffer von Sebastian Andersson aus der siebten Minute 1:0 – und dann das. Platzverweis. Unterzahl. Dabei wären drei Punkte im Ringen um den Ligaverbleib für das Schlusslicht doch so wichtig gewesen. Es kam, wie Müller es in diesem Augenblick befürchtete: Der spielstarke und stets überlegene Gast glich in der 79. Minute aus. Torschütze: Lezcano.

    Bei seinem Interviewmarathon nach dem Abpfiff lief Müller noch einmal heiß, wobei: „Wenn du das dreimal erzählt hast, kommst du ein bisschen runter.“ Dennoch fehlte es Müllers Worten auch nach der Tour vor die TV-Kameras nicht an Klarheit und Emotion: „Benni blockt ganz klar den Ball, ich musste erst schmunzeln, dass der Schiedsrichter überhaupt gepfiffen hat. Als er dann die Gelbe Karte zieht, sind auch bei mir ein, zwei Lampen durchgebrannt. Das kenne ich nicht von mir. Da habe ich mich eigentlich gut im Griff.“ Eigentlich. Für seinen Wutanfall sah Müller Gelb.


    Es gab Redebedarf: FCK-Torhüter Marius Müller (rechts) und Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck

    Später, so schildert es Müller, habe er vom Unparteiischen wissen wollen, wofür. Und sei von Jöllenbeck bitter enttäuscht worden. „Er schaut mir direkt in die Augen und winkt nur arrogant ab, das ist mir unerklärlich. Es geht nicht darum, dass man mal eine falsche Entscheidung trifft, das sind alles Menschen“, sagte Müller. Aber: „Die Arroganz den Spielern gegenüber, gerade von der jungen Garde der Schiedsrichter, finde ich bodenlos. Wir kriegen vor der Saison von Schiedsrichtern bei der Schulung gesagt, dass wir auf dem Platz bei strittigen Situationen auf einer Ebene handeln wollen. Dann frage ich mich, wo heute diese Ebene war. Ich bin schließlich nicht hingerannt und habe ihn von A bis Z durchbeleidigt.“

    Der 1. FC Kaiserslautern kam dezimiert wenigstens zu einem Punkt. Die Überlebenschance in der Zweiten Liga steigert das nicht. Kampfgeist und Moral kann niemand dem FCKabsprechen, die Defensivarbeit ist oft solide. Im Spiel nach vorne aber liegt vieles im Argen. Und ohne gefährlich zu sein, kann der FCK nicht siegen. Dabei braucht er dringend Erfolge. An die 30 Punkte in der Rückserie. Wie soll das funktionieren?

    „Wir müssen nach vorne viel besser spielen, mehr Ballbesitz haben“, sagt Linksverteidiger Leon Guwara, der gegen den FC Ingolstadt erstmals seit dem zwölften Spieltag wieder mitwirkte: „Wenn wir den Ball haben, ist er nach zwei, drei Stafetten weg, das müssen wir auf jeden Fall in den Griff bekommen und verbessern.“ Es sei „ein harter Kampf“, sagt Guwara. „Doch es sind 17 Spiele. Es kann noch einiges passieren. Auf jeden Fall geben wir nicht auf.“

    Ab sofort muss der FCK auch das Risiko eingehen, in offene Messer zu laufen. Tore, Siege, Punkte – nur dieser Dreiklang kann retten, was wahrscheinlich nicht mehr zu retten ist. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, sagt Guwara, „wir müssen mehr nach vorne spielen, besser in die Tiefe, nur so kommt man auch zu Torchancen. In der Situation kann man mit dem einen Punkt eigentlich nicht leben.“

    Benjamin Kessels Ampelkarte taugt nicht als Alibi dafür, dass dem FCK gegen Ingolstadt ein Sieg verwehrt blieb. „Wir haben in der zweiten Hälfte die Bälle nur hinten rausgeschlagen, der Druck von Ingolstadt wurde immer größer. Das war ja schon vor dem Platzverweis so“, sagt Kessel selbst. Und er fügt an: „Wenn man nach dem Ende der Hinrunde auf dem letzten Platz steht, lügt die Tabelle nicht mehr. Wir haben eine ganz, ganz beschissene Situation.“
    Quellen
      • Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung

Kommentare 11

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    Zitat von Buggy: „Wir haben keine Typen! keine Winner Menthalität und menthal sensible Spieler...“ Bin ich bei dir ! Und die Mentalität dieser Weicheier bzw. Pussykicker kommt auf dem Platz wie Lustlosigkeit rüber. Um nicht abzusteigen muss man…
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    Naja @technorunner: ich gebe dir recht die Spielzeit ist vorbei. Aber gehen wir mal auf das Beispiel Bielefeld ein. Das zeigt nämlich deutlich dass die Hauptursache nicht in den Köpfen der Spieler verborgen ist, sondern in deren Veranlagung. Du gibst…
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    @leuchtmittel => Wenn du die letzten beiden Spiele als Indiz dafür nimmst, der Mannschaft anzudichten, sie würde alles in ihrer Macht stehende tun, um sportlich das überleben in der 2. Liga sicherzustellen, dann sehe ich das anders. Entscheidend ist…
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    Zitat von technorunner: „Weite Teile der Mannschaft haben die Saison mental abgehakt, wie sonst soll man die Körpersprache von 80 % der Spieler auf dem Platz deuten ? “ Verstehe wirklich nicht wie du darauf kommst. Fehlender Kampf kann man der…
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    Machen wir uns nichts vor ... es geht in dieser Saison nur noch darum, ob wir 3. Liga oder Regionalliga spielen werden. Weite Teile der Mannschaft haben die Saison mental abgehakt, wie sonst soll man die Körpersprache von 80 % der Spieler auf dem Platz…