• Zivilisierte Jahreshauptversammlung des stark abstiegsbedrohten FCK – Vier neue Aufsichtsräte, Kind wiedergewählt
    Gestern um 18.13 Uhr stand der neue Aufsichtsrat des 1. FC Kaiserslautern: Gewählt wurden von der Jahreshauptversammlung des Vereins Patrick Banf (862 Stimmen), Paul Wüst (709), Michael Littig (595), Jürgen Kind (573) und Jochen Grotepaß (535). Ersatzkandidaten sind Bruno Otter (386), Fritz Fuchs (294) und Wolfgang Rotberg (289).

    Bei der siebeneinhalb Stunden langen, aber nicht unfair ausgearteten Versammlung wurde der bisherige Aufsichtsrat mit Nikolai Riesenkampff, Mathias Abel, Ottmar Frenger, Gerhard Theis und Jürgen Kind mit 52,6 Prozent der Stimmen knapp entlastet. Alle außer Kind hatten schon erklärt, für die kommenden drei Jahre nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

    Die Vorstände Thomas Gries und Michael Klatt sind mit 74,9 Prozent der abgegebenen Stimmen entlastet worden. Trotz der sportlichen Talfahrt und des damit verbundenen Rückgangs der Umsätze aus der TV-Vermarktung, aus dem Spielbetrieb und aus der Werbung hat der 1. FC Kaiserslautern die Saison 2016/17 per 30. Juni mit einem Überschuss von 1,2 Millionen Euro abgeschlossen. Weil darin auch die gut drei Millionen Euro Ablöse für den an den Hamburger SV verkauften Torwart Julian Pollersbeck enthalten sind, sagte Finanzvorstand Klatt: „Wir haben nur deshalb einen Jahresüberschuss erreichen können, weil wir extremst hohe Transfererlöse erzielen konnten.“ Die Erlöse aus Spielerverkäufen lagen 2016/17 bei 9,186 Millionen Euro. Der Transfer von Robin Koch im August zum SC Freiburg für vier Millionen Euro schlägt erst in der laufenden Saison 2017/18 zu Buche. Der Umsatz des FCK lag 2016/17 bei 38,927 Millionen Euro (2015/16: 38,351 Millionen Euro). Der Finanzvorstand des Zweitliga-Letzten sagte mit Blick auf das permanente Problem des FCK, ohne hohe Transfererträge nicht rentabel arbeiten zu können: „Eine wirtschaftliche Sanierung des Vereins ist in der Zweiten Liga nicht möglich. Ich sehe keine Alternative zur Ausgliederung.“ Gleichwie: Die Stadionfrage gilt es für den Verein, der in der schwersten Krise seiner Geschichte steckt, zu lösen. Denn die größte finanzielle Belastung bleibt eben das Fritz-Walter-Stadion. Laut Klatt ergibt die Summe der Einnahmen aus dem Kartenverkauf und der Stadionkosten beim FCK minus 1,5 Millionen Euro jährlich. Bei Zweitliga-Konkurrent 1. FC Nürnberg, der ebenfalls eine WM-Arena unterhält, sei dieses Ergebnis positiv: plus zwei Millionen Euro.

    Ein Antrag, einen internen Ausschuss einzusetzen zur Aufarbeitung der Vorstandsära Stefan Kuntz/Fritz Grünewalt (bis 2016) ist mit 49,8 Prozent Ja-Stimmen der Mitglieder knapp gescheitert.

    Der Aufsichtsrat hatte nach der Jahreshauptversammlung 2016 die Frankfurter Kanzlei Greenfort beauftragt, bestimmte Geschäftsvorgänge auf rechtlich relevante Pflichtverletzungen der Ex-Vorstände zu prüfen. Rechtsanwalt Daniel Röder von Greenfort sagte, dem FCK sei durch Kuntz/Grünewalt „kein Schaden entstanden“, zumindest kein nennenswerter materiell messbarer, möglicherweise indes ein immaterieller. Ex-Aufsichtsratschef Dieter Buchholz kritisierte das Gutachten. Er fordert seit Langem eine genauere Aufarbeitung der vergangenen Jahre beim FCK.

    Vorstandschef Gries indes blickte in die Zukunft. Ein sehr steiniger Weg liegt vor den Lauterern, die als Tabellenletzter nun acht Zähler Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz in Liga zwei haben. „Es gibt nur eine Mission – Klassenerhalt! Ich erwarte, dass wir dem alles unterordnen“, rief Gries den Mitgliedern zu. Er mahnte „zumindest eine Feuerpause“ an, bis das Klassenziel erreicht sei. „Wir werden das nur zusammen schaffen. Wir brauchen ein Bündnis der Willigen“, sagte der Klubchef.

    18.021 Mitglieder zählt der 117 Jahre alte Verein. Gries erklärte, dass das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) zu einem Campus ausgebaut werden soll. Auch ein Teil des Transfererlöses vom Koch-Verkauf werde ins NLZ investiert.

    Gries sieht wie sein Vorstandskollege Klatt und Sportdirektor Boris Notzon in der Ausgliederung eine zeitgemäße Entscheidung und einen alternativlosen Schritt, um den FCK im deutschen Profifußball konkurrenzfähig zu halten. Noch in dieser Saison solle in einer außerordentlichen JHV über die Ausgliederung abgestimmt werden.

    Sportdirektor Boris Notzon sieht die sportliche Krise als Prozess, der seit Jahren laufe. Schon in den vergangenen beiden Spielzeiten war der FCK in den Abstiegskampf verwickelt. Notzon bilanzierte, dass seit 2014/15 26,5 Millionen Euro durch Verkäufe erlöst wurden. Nur 6,3 Millionen wurden in Einkäufe investiert. „Wir mussten Leistungsträger verkaufen“, sagte Notzon. Nur so sei der FCK wirtschaftlich handlungsfähig geblieben. Die hohe Fluktuation bei den Spielern – 127 Transferbewegungen seit 2014/15, fünf Trainer und vier Sportdirektoren in diesem Zeitraum – seien der Hauptgrund der Misere. „Auch in diesem Sommer wurden Fehler gemacht, sonst wären wir nicht Letzter“, sagt Notzon selbstkritisch. In der Winterpause soll der Kader, auch wegen des Ausfalls fest eingeplanter Leistungsträger, mit Routiniers verstärkt werden.



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    KOMMENTAR

    Mit Stil und Weitblick

    Der 1. FC Kaiserslautern hat einen neuen Aufsichtsrat. Vier der fünf Mitglieder sind neu. Sie stehen für wirtschaftliche Kompetenz.

    Die befürchtete Schlammschlacht fand nicht statt. Die gestrige Jahreshauptversammlung des 1. FC Kaiserslautern hatte Stil. Das lag auch an der souveränen Versammlungsleitung von Nikolai Riesenkampff. Löblich die selbstkritische Bilanz des scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden. Konsequent, dass er seinen Hut nimmt. Es war gut für das Image des Vereins, dass es trotz aller Kritik kein Hauen und Stechen gab. Die Aussprache war bei aller Emotion sachlich.

    Aus dem bisherigen Aufsichtsrat kandidierte nur noch Jürgen Kind, der wiedergewählt wurde. Die Lebensläufe der vier neuen Mitglieder versprechen wirtschaftliche Kompetenz. Patrick Banf, in der Werbebranche auch mit Fußball befasst, erhielt die meisten Stimmen. Er dürfte der neue Mann an der Spitze des Aufsichtsrates werden, der sich wohl am Donnerstag konstituiert. Durch seinen Beruf weiß Banf, wie Bundesliga und Vermarktung funktionieren.

    Der Südpfälzer Paul Wüst, früher Unternehmensberater, in der Zukunftsinitiative FCK engagiert, ist ein Schaffer. Michael Littig, wie Banf ein echter Lauterer, ist als Geschäftsmann erfolgreich, in der Kommunalpolitik als CDU-Kreisvorsitzender engagiert. Unternehmer ist auch der Mauchenheimer Jochen Grotepaß, ein Fuchs in Sachen Bilanzen und Satzungsfragen.

    Allen ist klar: Es geht jetzt um den Klassenerhalt in der Zweiten Bundesliga. Dafür braucht der FCK den Schulterschluss von Mannschaft und Fans. Die Einstellung der Spieler beim unglücklichen 2:3 von Heidenheim ist der Maßstab für die beiden kommenden Heimspiele gegen die Aufstiegsanwärter FC Ingolstadt und 1. FC Nürnberg. Moral und Charakter sind gefragt!
    Quellen
      • Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung

Kommentare 35

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    Hört doch bitte, bitte auf diesen Menschen zu zitieren. Nicht einer seiner Beiträge sind es wert, wiederholt dargestellt zu werden.
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    Zitat von Equinox: „Diese Diskussion hier ist so lächerlich.“ Die Diskussion an sich ist nicht lächerlich, denk da mal als erfolgreicher Geschäftsmann drüber nach.
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    Alternative Fakten haben nur die Kuntz-Jünger. Der Mann hat einen Verein übergeben, der nur Dank Stuttgart nicht in Insolvenz gegangen ist. Das ist ein FAKT, der nach der JHV überall nachzulesen ist. Zudem hat er alle getäuscht mit der Fananleihe.…
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    Diese Diskussion hier ist so lächerlich. Seit zwei Jahren wird SK hier als Verbrecher dargestellt, der man vor Gericht bringen muss. Jetzt wurde von einer vom Verein beauftragten Anwaltskanzlei klipp und klar bestätigt, dass das alles Unsinn ist. Und…
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    Ich habe gestern nur einen Kommentar gelesen und dann bin ich gegangen. Das war für meinen Geschmack des Guten zu viel. Was danach lief, weiß ich nicht. Ich glaube, es ist besser wenn man es auch gar nicht erfährt. Anscheinend ist die JHV gestern…