• Lukas Spalvis lässt den FCK in Dresden neuen Mut schöpfen
    Die Kellertreppe ist wieder beleuchtet: Mit dem 2:1 (0:1)-Erfolg bei Dynamo Dresden reduzierte Fußball-Zweitligist 1. FC Kaiserslautern den Rückstand zum Relegationsplatz auf vier Punkte. Fünf fehlen zum rettenden Ufer.

    85 Minuten waren in Dresden gespielt, 0:1 lag der FCK durch einen Treffer von Lucas Röser zurück. Alles deutete auf die neunte Saisonniederlage hin, die Lücke zu Rang 16 drohte acht Zähler breit zu werden. Öde im Osten statt Ode an die Freude. Plötzlich köpfte Stipe Vucur den Ausgleich. Und drei Minuten später glückte Lukas Spalvis das Siegtor. Ein abgefälschter Schuss. Riesendusel.

    Jeff Strasser behauptete in der Pressekonferenz nach dem Spiel, an diese irrwitzige Wende stets geglaubt zu haben, denn andernfalls müsse er seinen Job sofort aufgeben. Was sich im Inneren des Cheftrainers wirklich abspielte, bleibt für immer verborgen. Niemand aber würde es ihm übel nehmen, wenn er in diesem Moment ein bisschen geflunkert hätte. Vergessen war auf jeden Fall die Szene, als der Litauer Spalvis vor dem Dresdner Tor lauerte und Sturmgenosse Sebastian Andersson es vorzog, selbst zu schießen statt zu dem bestens postierten Mitstreiter abzulegen. Spalvis war seinem Teamkollegen nicht gram, sein erstes Zweitligator stimmte ihn milde. „Ich kenne es selber als Stürmer, dann hast du auch nicht immer den Überblick, das ist keine große Sache“, sagte er.

    Nicht nur für Spalvis war die Systemumstellung nach der Pause der Schlüssel zum Erfolg. Vierer- statt Dreierkette. Mehr Initiative. Mehr Zugriff auf den Gegner. Weniger Lücken. Der FCK war auch nach dem Wechsel nicht viel zwingender als zuvor, er schlich sich jedoch kaum wahrnehmbar immer näher an den Dynamo-Kasten heran und reduzierte die Optionen des nun zu passiv erscheinenden Kontrahenten. Was auf das Kaiserslauterer Tor kam, entschärfte Marius Müller bravourös. Spalvis, der Schlingel, sagte lachend: „Dafür ist er da. Einer muss die Tore schießen, der andere muss retten. Ist halt so.“

    Wenn immer alles derart einfach wäre, würde Gerry Ehrmann nun vor jedem Spiel herumorakeln. Am Montag gab er Stipe Vucur „Heute machst du einen, Junge“ mit auf den Rasen, „und wenn der Gerry das sagt, dann wird es auch so sein“, flachste Vucur später. Wie Spalvis traf er erstmals in dieser Runde. „Mit dem Sieg haben wir bewiesen, dass wir an uns glauben und Charakter haben“, sagte Vucur, „das tut jedem Einzelnen gut.“

    Der zweite Saisonerfolg täuscht nicht darüber hinweg, dass der FCK lange Zeit wie ein Absteiger auftrat. „Die erste Halbzeit haben wir klassisch verschlafen, in beide Richtungen“, sagte Vucur. Einerlei: In der Lage der Roten Teufel ist das Zustandekommen eines Sieges schnurz. Vielleicht gilt hier sogar das Motto: je glücklicher, desto befreiender. „So ein Erlebnis kann eine Truppe zusammenschweißen“, meinte Christoph Moritz, „das weiß jeder.“ Oder, mit Spalvis gesprochen: „Solche Spiele musst du halt mal gewinnen, dann bekommst du auch Selbstvertrauen.“

    Für den mit Fieber das Bett hütenden Sportdirektor Boris Notzon dürfte das 2:1 von Dresden die beste Medizin gewesen sein. Und Balsam für Jeff Strassers Nerven. „Stress? Klar“, sagte der Cheftrainer: „Aber wenn das Ergebnis so ist wie heute, nimmt man den gerne in Kauf.“

    -------

    KOMMENTAR

    Rückenwind im Abstiegskampf

    VON HORST KONZOK

    Der 2:1-Sieg in Dresden, so glücklich er auch zustande kam, verleiht dem FCK neuen Mut im Kampf gegen den Abstieg aus der Zweiten Bundesliga.


    Der Hoffnungsfunke glimmt wieder. Mit dem 2:1 bei Dynamo Dresden, dem zweiten Sieg im 14. Saisonspiel, nährte der FCK die Hoffnung auf den Klassenerhalt. Der schien im Montagsspiel der Zweiten Fußball-Bundesliga bis zur 85. Minute ganz, ganz weit weg. Dann endlich münzte Stipe Vucur seine Kopfballstärke mal in ein Tor um und Lukas Spalvis tat, wofür er geholt wurde: Er schoss das Siegtor!

    Offensiv war’s vor der Pause der kollektive Offenbarungseid. Nach dem Seitenwechsel wurde es besser, beileibe nicht gut. Aber die Mannschaft zeigte Moral. „Man kann sich das Glück auch erarbeiten“, lobte FCK-Trainer Jeff Strasser, der nach den 93 Minuten so abgekämpft wirkte, als habe er selbst noch einmal gespielt.

    Abstiegskampf ist vor allem auch ein Nervenspiel. Das nächste folgt am Sonntag daheim gegen Arminia Bielefeld, beim Duell Jeff gegen Jeff, der Begegnung der beiden luxemburgischen Trainer: hier Jeff Strasser, da Jeff Saibene.

    Der FCK braucht Punkte. Er braucht Siege. Mutmaßlich noch acht oder neun, um den Klassenerhalt zu sichern. Jeff Strasser weiß, um das zu schaffen, braucht es mehr als Torhüter Marius Müller. Der hielt famos und trieb seine Vordermänner immer an, als die sich noch ängstlich in der eigenen Hälfte versteckten. Eine kompaktere Defensive und eine schlagkräftigere Offensive als das in Dresden der Fall war, sind am Sonntag gefordert. Der Sieg ermutigt, das Erfolgserlebnis gibt der Mannschaft auch ein stückweit den Glauben an sich selbst zurück. Ein Typ wie Lukas Spalvis, ein „frecher Hund“, kann guttun. Die Frage, ob der Litauer, 2016 Torschützenkönig in Dänemark, und der wesensähnliche Schwede Sebastian Andersson im 4-4-2 auch zusammen starten können, haben die gemeinsamen 25 Minuten von Dresden nicht beantwortet.
    Quellen
      • Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung

Kommentare 22

  • Benutzer-Avatarbild
    Zitat von Kinglouis: „ich habe fertig!“ du hast schon seit deinem ersten tag hier,fertig
  • Benutzer-Avatarbild
    @dirtdevil Frage: Kann man das nicht von der Couch aus beurteilen.? Antwort: Nein!..kann man nicht!....und damit die Frage nach Ahnung haben nicht aufkommt....ich würde mich auch nicht wagen deine Leistung in deinem Job zu beurteilen! Wieso glaubt…
  • Benutzer-Avatarbild
    Ich fordere von Strasser jetzt im nächsten Spiel Doppelsturm mit Andersson und Spalvis.Wenn nicht dann wird auch Strasser lernresistent sein. Das Spiel gegen Bielefeld wird zeigen ob wir uns weiter Hoffnungen machen dürfen oder den Klassenerhalt ad…
  • Benutzer-Avatarbild
    Wir spielen seit über einem Jahr unter dem 3. Trainer ein System das nicht funktioniert. Und seit dieser zeit hört man immer, in der Rückwärtsbewegung wollen wir eine 5er kette und in der vorwärtsbewegung lösen wir diese dann auf. So ungefähr muss…
  • Benutzer-Avatarbild
    Zitat von canelon: „Eine Einzelleistung, die so auch in jedem erdenklichen System hätte stattfinden können.“ nein,schau dir in der wiederholung mal das ballungszentrum an. die dresdner versuchen alle die im zentrum stehen,abzudecken und spalvis…