• Als Tabellenletzter der zweiten Liga steht Traditionsklub Kaiserslautern vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Die Fans sind sauer. Doch größer als die Wut ist die Sorge vor dem, was nach einem Abstieg droht.
    ​ FCK-Coach Jeff Strasser weiß natürlich, eine Tabelle zu lesen. Sechs Punkte aus zwölf Spielen und dann ein Heimspiel gegen den Vierzehnten - da ist eine offensive Jagd auf drei Punkte Pflicht. Einerseits. Andererseits weiß Strasser auch um die fragile Lage des FCK, womit sowohl das Nervenkostüm seiner Spieler, als auch die wachsende Ungeduld des Anhangs gemeint ist. Also ließ Strasser gegen den zuletzt dreimal torlosen VfL Bochum zunächst abwartend mit Fünferkette spielen. Hauptsache zu null, um das Offensivspiel kann er sich in der anstehenden Länderspielpause kümmern.

    Die Rechnung ging auf, das Ergebnis: 0:0. Strasser bekommt Zeit, die er eigentlich nicht hat. Bilanz des Abends: ein paar wütende Reaktionen bei Fehlpässen während der Partie, Applaus und deutliche Unmutsbekundungen nach Spielschluss - und eine friedliche Blockade des Parkplatzes durch circa 100 FCK-Anhänger, die das Gespräch mit Vereinsverantwortlichen suchten und fanden. Die Polizei musste den Betzenberg für eine Stunde absperren. Alles handelsübliche Dellen eines Tabellenletzten.

    Die desaströse Situation bringt es allerdings mit sich, dass man in Kaiserslauternderzeit an mehreren Fronten kämpfen muss. Die dringlichste ist die mit dem eigenen Anhang. Auswärts stellt der FCK wie zuletzt gegen St. Pauli und in Regensburg immer noch einen mächtigen Block auf die Beine, spätestens nach dem Spiel bei den Regensburgern war die Stimmung allerdings im Keller. "Einen spielerischen und kämpferischen Offenbarungseid", nennt es Mathias Krämer vom Fan-Podcast "Betzegebabbel".

    Die Mannschaft veröffentlichte daraufhin einen offenen Brief an die Fans, was nicht bei allen gut ankam. Dass sich die Mannschaft ausgerechnet einen Tag vor dem 97. Geburtstag Fritz Walters genötigt sah zu betonen, dass "ihr Wille ungebrochen sei", wurde nicht uneingeschränkt goutiert. "Lieber Arsch aufreißen als Briefchen schreiben" stand auf einem Banner, das vor dem Spiel vor der Westkurve hing.

    Als die Partie begann, war es verschwunden, ebenso das Murren. Für 90 Minuten war dann wieder das FCK-Programm geboten, das Gästefans seit vielen Jahrzehnten fürchten: lautstarker Westkurvensupport, feurige Kommentierung jeder Schiedsrichterentscheidung.

    Der Betzenberg ist zum Fluch geworden (...)

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