• Beim 3:0 des Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern gegen Greuther Fürth schreibt auch Joel Abu Hanna eine eigene Geschichte.

    Sein Debüt als Linksverteidiger glückt. Phillipp Mwene verbucht Bestwerte in vier von fünf Statistik-Kategorien.
    ​ Was war das für eine Freude, auch bei den „Zivilisten“. Marcel Correia, angeschlagen nicht im Kader, grinste breit über das schmale Gesicht, der verletzte Daniel Halfar klatschte die Teamkollegen ab, Söhnchen Louis gab Osayamen Osawe „High five“ und ging danach in Siegerpose. Nur einer stänkerte. Ein bisschen. Und nur zum Spaß. Nein, Marius Müller rückte nach einem Spiel des 1. FC Kaiserslautern ausnahmsweise mal nicht in den Fokus des medialen Interesses, weshalb der zuletzt waidwund geschossene Torhüter knurrte, er stehe gerne Rede und Antwort, wenn es mal wieder auf die Ohren gebe, heute könne man ihn ruhig links liegen lassen. Ein Spaß, wie gesagt.

    Natürlich verbuchte auch der zu Beginn der Partie gegen die SpVgg Greuther Fürth unsichere Müller am ersten Saisonerfolg des FCK seinen Anteil. Hätte er kurz nach der Pause nicht den Kopfball von Richárd Magyar aus nächster Nähe pariert, wäre den Roten Teufeln des Herz womöglich wieder in die Hose gerutscht. So aber feierten sie einen 3:0 (0:0)-Erfolg, und bejubelt wurden andere. Sebastian Andersson etwa mit seinem Hattrick zwischen der 71. und der 80. Minute, dem schnellsten Dreierpack, den bis jetzt ein Spieler des FCK in der Zweiten Liga schnürte. Phillipp Mwene, den die Statistik des Spiels in vier von fünf Individual-Kategorien als Besten seiner Mannschaft auswies. Meiste Ballaktionen, meiste Torschussvorlagen, meiste Flanken aus dem Spiel heraus (zum Beispiel zu Anderssons befreiendem Kopfball-1:0), beste Zweikampfquote. Der Österreicher überzeugte erst auf der rechten, sodann auf der linken Außenbahn, nachdem Joel Abu Hanna in der 59. Spielminute verletzt vom Feld genommen werden musste. Auch der 19-jährige Blondschopf schrieb am Freitagabend seine eigene Story. Womöglich ist es das erste Kapitel einer erfolgreichen Profikarriere.

    Da Leon Guwara ausfiel, beorderte Trainer Jeff Strasser Abu Hanna in die Startformation. Abu Hanna beackerte den Flügel, spielte defensiv fast fehlerfrei und beherzt nach vorne. Das Debüt glückte. Jeff Strasser erzählte nach der Partie, er habe seinem Schützling in einer Einzelunterredung die Nervosität zu nehmen versucht, ihm anvertraut, was er selbst einst vor seiner Premiere gefühlt und auf dem Platz erlebt habe. Man hätte das leicht als lausige Idee enttarnen können: Strasser lief für den FCK erstmals am 12. September 1999 auf, nach 51 Minuten war Schluss, die Roten Teufel unterlagen bei Werder Bremen 0:5. Doch auch in Abu Hannas Fall hat der Luxemburger offenbar den richtigen Ton getroffen. Warum aber war so früh Schluss? „Ein Krampf“, erzählte der FCK-Novize. „Ich habe alles probiert, aber er ging nicht mehr weg. Trotzdem, ich bin einfach überwältigt nach meinem Debüt. Es war super, ich freue mich riesig.“ Abu Hanna war mit dem festen Plan in die Partie gegangen, „keine Überdinger“ zu machen. Er wollte sich „reinhauen“, zeigen, was er könne, dass er das Wappen des FCK „mit Stolz“ trage. Es gelang. An einem Abend, von dem man noch nicht weiß, ob er tatsächlich die Wende zum Guten markierte. Den letzten Rang ist der FCK schon mal los.

    70 Minuten war die Partie offen. Dann drehte der FCK auf und der Anhang durch. Rational war die Tor-Explosion nicht zu durchleuchten. Marius Müller wollte dazu dann doch noch etwas sagen: „Das ist Fußball. Das ist einerseits das Geile dran. Und wenn es nicht läuft, die größte Scheiße ...“
    Quellen
      • Die Rheinpfalz am Sonntag

Kommentare 5

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    Zitat von Andi_74: „Die Art und Weise, wie die Tore fielen macht Mut. Es waren Tore aus dem Spiel heraus. Natürlich, gegen den Tabellennachbar. Aber auch da muß man erst einmal Tore erzielen. In der Vergangenheit haben wir oft gegen Mannschaften…
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    Wenn es wirklich "nur" ein Krampf bei Abu Hanna war, dann wird er ja nicht ausfallen. In der Länderspielpause hat er genug Zeit sich auszuruhen. ;)
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    Mehr denn je würde ich mir wünschen, dass folgende Floskel auch zum Einsatz kommt: Never change a winning team.
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    Mit etwas Abstand betrachtet kann man sagen, wir hatten diesmal das Glück, das uns so lange fehlte. Der Gegner war selber verunsichert, und so konnten wir uns erst einmal auf die Defensivarbeit konzentrieren. Auch kam vom Gegner wenig, so dass unsere…
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    Auf die vorherigen Spiele bezogen hätte man die Überschrift auch umdrehen können