• Interview: Thomas Dooley (55), DFB-Pokalsieger und deutscher Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern, ist auf Heimatbesuch. Seit 2014 ist der einstige Bundesliga-Profi Trainer der philippinischen Nationalmannschaft. Die „Leistung“ des FCK beim 1:2 gegen den FC St. Pauli hat Tom Dooley geschockt. Er rät zu Power-Fußball.
    Herr Dooley, was hat Sie wieder in die alte Heimat gebracht?
    Ich mache ein- bis zweimal im Jahr Urlaub hier. Seit 2014 bin ich ja Nationaltrainer auf den Philippinen.

    Und Sie würden dort auch gerne bleiben?
    Die Verträge dort laufen immer von Turnier zu Turnier. Bis Ende kommenden März läuft mein Vertrag, dann entscheidet sich, wie es weiter geht. Mir gefällt es dort, ich könnte mir vorstellen, noch mal zwei Jahre zu bleiben.

    Sie waren vor knapp zwei Wochen beim Spiel gegen den FC St. Pauli im Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg. Wie war's, mal wieder an der alten Wirkungsstätte zu sein?
    Wenn ich hier bin, versuche ich natürlich immer so viele Spiele wie möglich zu sehen. Klar, man trifft auch auf ehemalige Mitspieler und Freunde, aber das Spiel steht klar im Fokus. Leider läuft es aber in den letzten Jahren einfach nicht so, wie ich es mir vorstelle und auch nicht, wie es sich die Fans vorstellen. Ich kenne zwar keine Interna oder habe Kontakt zu Spielern und Trainern, aber es ist einfach enttäuschend.

    Welche Probleme beim FCK können Sie als Außenstehender erkennen? Woran ist die Misere festzumachen?
    Auffällig ist, dass die Tugenden, die den FCK ausgezeichnet und erfolgreich gemacht haben, nicht mehr gezeigt werden. Die Mannschaft muss ein Kollektiv sein, das positiv gestimmt ist. Und mit Herz und Gedanken dabei sein. Es geht alles über die Einstellung – Laufbereitschaft etwa, aber auch die körperliche Fitness.

    Sie kennen als Spieler diese Situation. Der 1. FC Kaiserslautern war in der Bundesligasaison 1989/1990 nach einer 0:4-Schlappe beim SV Waldhof am Boden und stark abstiegsgefährdet. Die Wende kam mit Karl-Heinz Feldkamp.
    Das war auch eine schwierige Situation. Damals hatten wir oft zu Hause verloren, lagen schon zur Pause zurück. Dann ging es mit Pfiffen in die Kabine. Danach haben dich die Fans wieder weiter nach vorne geschrien, und nach dem Spiel wurde bei einer Niederlage wieder gepfiffen. Aber dann kam Kalli, da wurden wir zu hundert Prozent fit gemacht. Da mussten auch die Gegner, gegen die wir auf dem Betze spielten, wieder Angst haben. Denn zu Hause gibt’s nur eins: Power!

    Wäre das etwas, was man der Mannschaft für das letzte, so wichtige Saisonspiel mitgeben könnte?
    Es gibt Stadien und Fans, wo du nur eine Sorte Fußball spielen kannst. Und in Kaiserslautern musst du Fußball kämpfen. Da brauchst du Typen, die in der ersten Minute im ersten Spiel der Saison zu hundert Prozent da sind. Und das geht dann auch auf die Fans über. Gegen St. Pauli hat man ja gesehen, wie 35.000 Fans mitgehen, wenn mal eine gute Aktion kommt. Wichtig wäre zum Beispiel auch, dass die Spieler öfter mit den Fans reden. Vor den Spielen, nach dem Training, um zu merken, wie wichtig es denen eigentlich ist. Jeder Spieler muss wissen: Was ist meine Aufgabe im letzten Spiel?

    Und wie lautet Ihr Tipp? Wie endet das Spiel FCK gegen Nürnberg?

    Ich hoffe, dass alle anderen Konkurrenten verlieren. Gegen Nürnberg das Heft in die Hand zu nehmen wird schwierig. Dass wir tatsächlich noch abrutschen, glaube und hoffe ich nicht. Und in der neuen Saison geht man hoffentlich einen besseren Weg.

    Interview: Tim Altschuck
    Quellen
      • Die Rheinpfalz - Pfälzische Volkszeitung

Kommentare 0

Es wurden noch keine Kommentare verfasst.